Die nicht elastische, erste Schicht
Der Serola Iliosakralgürtel ist nicht mit einer Schnalle ausgestattet. Er ist darauf ausgelegt, so eng gezogen werden, wie dies unter Verwendung beider, hierfür übereinander gelegter Hände möglich ist. Dabei soll das Weichgewebe der Hüften komprimiert werden, damit sich das Iliosakralgelenk bei Öffnung nicht über seinen normalen Bewegungsbereich hinaus öffnet. Aus diesem Grund muss der Gürtel über eine unelastische Komponente verfügen.
Andere, nicht elastische Iliosakralgürtel haben jedoch Schnallen, die einem die nötige Hebelwirkung geben, mit der eine mühelose Reduzierung des Bewegungsbereichs unterhalb des Normalwerts möglich ist. Hersteller dieser Art von IS-Gürteln ermutigen die Nutzer dazu, den Gürtel sehr eng zu ziehen und das Gelenk zu blockieren. Dieses Konzept reicht zurück in jene Zeit, als angenommen wurde, dass das Iliosakralgelenk unbeweglich ist und jede Bewegung als ein Zeichen der Instabilität gewertet wurde. Die Forschung hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass das Iliosakralgelenk über eine geringfügige Bewegung verfügt, die für sein Funktionieren erforderlich ist.
Die aus dem Tragen eines die Bewegung des IS-Gelenks einschränkenden Gürtels entstehenden Probleme sind beträchtlich. Wie jedes Gewebe erleben Bänder bei Nichtnutzung eine Atrophie. Eine Immobilisierung oder künstliches Stützen, das den Bewegungsbereich unter das Normalmaß senkt, führt zu einer Resorption von Kollagen, was eine sowohl strukturelle wie auch die Knochananhaftung betreffende Ausdünnung und Schwächung des Bandes nach zieht und das Risiko eines plötzlichen, durch Aktivität entstehenden Solomonows erhöht. Die vom Serola Iliosakralgürtel entwickelte Spannung ermöglicht die normale Bewegung innerhalb des normalen Bewegungsbereichs des Iliosakralgelenks, wodurch die Bänder nicht durch ungenügende oder übermäßige Bewegung geschädigt werden können.
Zudem bewirkt die Einschränkung der Bewegung auf weniger als den normalen Bewegungsbereich eine Reduzierung des Pumpmechanismus, der Sauerstoff und andere Nährstoffe einführt und Stoffwechselprodukt wie Milchsäure etc. abführt. Diese Abfallprodukte sind sauer und senken somit den pH-Wert. Darum reagiert der Körper zur pH-Neutralisierung mit Calciumeinschuss, was wiederum zu einer Arthrose führen kann.
Freeman [9] deutete an, dass Quetschdruck auf eine Gelenkskapsel sich in einem nociceptiven Signal (Schmerz) äußern kann und Muskelkrämpfe direkt mittels der Alpha-Motoneurone auslösen kann. Die von einer Schnalle gebotene Hebelwirkel macht ein zu starkes Festziehen leicht und kann die Blut- und Lymphgefäße innerhalb dieses interossösen Bandes schädigen. Dies ist wichtig, wenn man die Auswirkungen eines zu engen Anlegens eines Iliosakralgürtels betrachtet und es könnte der Grund dafür sein, warum die Muskeln schwächer werden, wenn der Gürtel zu eng ist.
Mens [5] weiter oben verwendete ebenfalls Druckwerte von 50 und 100 Newtons (100 N = 22.48 Pfund/ 10.19 kg) und konnte weder in der hohen, noch in der niederen Positionen einen nennenswerten Unterschied in der Wirkung der beiden Druckwerte feststellen. Sie äußerten jedoch die Vermutung, dass höhere Druckwerte Verletzungen verursachen könnten. Mit einer Schnalle können wesentlich höhere Werte hergestellt werden.
Vleeming [2] befand, dass die „Bewegung durch Tragen eines nicht elastischen (etwa 5 cm breiten), mit 50 N gespannten Gürtels deutlich eingeschränkt ist… ein vergleichbares Ergebnis wurde mit dem 100 N Gürtel (100 N = 22.48 Pfund/10.19 kg) erzielt. Größere Kräfte ergaben keine besseren Ergebnisse... und könnten gar eine gegenteilige Wirkung erzielen, da die Symphyse künstlich komprimiert wird." Die durchschnittliche Rotation vom Anfangsbereich der Nutation bis zum Endbereich der Gegennutation wurde um 29% reduziert - eine signifikante Verbesserung!
Snijders [1] stellt fest, dass “Mit Blick auf Patientinnen, die unter peripartalen Schmerzen leiden, sich die Annahme aufdrängt, dass Hypermobilität in den Iliosakralgelenken ernsthafte Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann. Eine Methode für die Wiederherstellung der Beckenstabilität ist das Tragen eines Beckengürtels. Die Tatsache, dass das Tragen eines solches Gürtels die Schmerzen lindern kann, könnte der Grund dafür sein, warum in bestimmten Ländern (z. B. Indonesien, Türkei, Marokko) ab circa dem 6. Schwangerschaftsmonat ein elastisches Korsett ungefähr auf Höhe des S2 getragen wird. Gemäß unseres biomechanischen Modells schließen wir daraus, dass das Anlegen eines solchen Gürtels mit einer geringen, der Spannung in den Schuhbändeln gleichenden Spannung ausreicht, unter schwerer Last eine selbststützenden Wirkung in den Iliosakralgelenken zu erzeugen. „Ein zu stark festgezogener Gürtel kann nicht empfohlen werden, da dies Reizungen und Ödeme hervorrufen und nachteilig für die Symphyse sein kann. Snijders entwickelte ein biomechanisches Modell, welches das Konzept unterstützt, nach dem ein iliosakraler Gürtel auf den Trochantern und unter dem Iliosakralgelenk ausreicht, um in den Iliosakralgelenken eine selbststützende Wirkung zu erzeugen. Er deutet an, dass die Positionierung direkt unter dem Iliosakralgelenk einer Nutation des Kreuzbeins vorbeugt, indem die Rückwärtsrotation der Kreuzbeinspitze eingeschränkt wird.
In ihren Büchern diskutieren Richardson et. al. [10] die oben genannten Verbindungen und nennen mögliche Ursachen für die verzögerte Antwort des querverlaufenden Bauchmuskels und anderer Bauchmuskeln, einschließlich einiger Einflüsse des zentralen Nervensystems wie eine Verspannung einander gegenüber liegender Muskeln, vestibuläre Dysfunktion, Dysfunktion der Rumpfmuskeln und Reflexhemmung. Sämtliche dieser Einflüsse sind in einer Verletzung des IS-Bereichs zu beobachten. Die Reflexhemmung wurde mit Effusion, Schmerz, Bänderdehnung und Kapselkompression in Verbindung gebracht. Die drei ersten treten bei einer Läsion der Nutation des Iliosakralgelenks auf, die Kapselkompression tritt ein, wenn ein Iliosakralgürtel zu eng um ein verletztes Iliosakralgelenk gelegt wurde
Was ein Iliosakralgürtel tun sollte, ist, wie ein Band zu fungieren und folglich zu stützen. Ein Band komprimiert das Gelenk nicht. Stattdessen bietet es einen nicht elastischen Stopp-Punkt am Ende des Bewegungsbereichs. Der Serola Iliosakralgürtel ist der einzige Gürtel, der darauf ausgelegt ist, wie ein Band zu funktionieren. Es hindert das Iliosakralgelenk daran, sich über die normale Öffnung hinaus zu öffnen.
Die nicht elastische erste Schicht ist dafür vorgesehen, das Weichgewebe der Hüften so stark zu komprimieren, dass keine Schlaffheit festgestellt werden kann und am Ende des Bewegungsbereichs einen Stopp-Punkt zu bieten.
Die elastische zweite Schicht
Gürtel, die nur elastisch sind, mögen Kompression und ein verbessertes Funktionieren des Gelenks in der neutralen Beckenposition bieten, sie bieten jedoch am Ende des Bewegungsbereichs keinen Stopp-Punkt. Wenn sich der Träger dieses Gürtels beugt, etwas hebt oder eine Drehung ausführt, kann sich dabei das Gelenk mühelos über den normalen Bereich hinaus öffnen, die Bänder können unterdessen erneut verletzt und das Gelenk instabil gemacht werden. In diesem Sinne kann ein Gürtel, der mit elastischer Kompression funktioniert, falsche Sicherheit vortäuschen.
Manche Hersteller elastischer Gürtel oder von Gürteln mit elastischen Komponenten sagen, dass sie die iliosakrale Stabilität verbessern, weil sie die Tätigkeit zahlreicher Muskeln unterstützen, darunter der querverlaufende Bauchmuskel, die Musculi multifidi (Skelettmuskeln) und die Muskeln des Beckenbodens. Es steht jedoch außer Frage, dass ein Gürtel, der Muskeln ersetzt, eine Schwäche und Atrophie der bewussten Muskeln nach sich ziehen kann, wie dies von Lumbalgürteln bekannt ist. Zudem erzeugen die genannten Muskeln eine Nutation und können das Iliosakralgelenk weiter verletzen, sofern genug Kompression vorliegt. Aus diesem Grund hemmt der Körper diese Muskeln automatisch bei einer iliosakralen Verletzung. Es ergibt nur wenig Sinn, Muskeln, die der Körper hemmen möchte, in ihrer Tätigkeit zu fördern.
Damen [3] stellte fest, dass die von einem Iliosakralgürtel gelieferte Hebelwirkung der Wirkung des querverlaufenden Bauchmuskels ähnlich ist, welcher durch seine Anhaftung an das Darmbein und den Einsatz der hinteren Beckenbänder als Hebel das Iliosakralgelenk stark komprimieren kann. Dieser Hebeleffekt macht eine starke Gürtelspannung unnötig und nicht empfehlenswert. Zudem kann die Nachahmung der Tätigkeit dieses Muskels schädlich sein, da die hinteren Beckenbänder bereits überdehnt sind. Der Körper hat einen Grund dafür, den Musculus transversus abdominis (lat.: querverlaufender Bauchmuskel) zu hemmen. Die überdehnten Bänder als Hebel zu verwenden, würde sie nur noch mehr verletzen. Ein Gürtel, der das Darmbein auf diese Weise nach vorne zieht, birgt das Risiko, den hinteren, gewichtstragenden Bändern noch mehr Schaden zuzufügen. Der Serola Iliosakralgürtel wiederum zieht das Darmbein nach hinten in Richtung des Kreuzbeins und übt die Kompression direkt auf das Iliosakralgelenk aus.
Beuge-, Hebe- oder Drehbewegungen steigern die Wahrscheinlichkeit, dass das Kreuzbein seinen normalen Bewegungsbereich überschreiten wird, wodurch die Bänder erneut überdehnt und das Gelenk erneut verletzt würde.
- Bei einer Beugung nach vorne lässt es die Ausrichtung der Gelenkoberflächen zu, dass das Kreuzbein nach vorne und weg vom Darmbein fallen kann, wodurch die Läsion der Nutation noch verstärkt wird.
- Diese Wahrscheinlichkeit steigt weiter, wenn die Elastizität des Gürtels durch Nachahmung der Tätigkeit von Muskeln wie dem querverlaufenden Bauchmuskel und den Musculi multifidi (Skelettmuskeln) das Gelenk in die Nutation zieht.
Während dem Heben lastet die zusätzliche Achsialkraft auf dem Kreuzbein und kann das Kreuzbein über die normale Nutation in die Läsion schieben. - Drehbewegungen liefern eine zusätzliche Nutationskraft, welche von der Wirbelsäule an das Kreuzbein übertragen wird und das Kreuzbein nach vorne in die Läsion der Nutation zwingt.Beugen, Heben und Drehbewegungen sind alleine genommen schon schlimm genug. Der Körper hemmt von sich aus Muskeln wie den querverlaufenden Bauchmuskel und die Musculi multifidi (Skelettmuskeln), weil sie die Läsion der Nutation verstärken würden. Es scheint widersinnig, ihre Kraft durch eine elastische Komponente nachzuahmen. Eine Stützung zur Stärkung dieser Muskeln ist unnötig und kann sogar kontraproduktiv sein.
DER SEROLA-UNTERSCHIED
Die elastische Schicht verstärkt die Schließung, indem sie Kompression und Elastizität innerhalb des von der nicht elastischen Schicht festgelegten Bewegungsbereichs bietet. Zudem wird sie das Becken nach hinten in die neutrale Beckenposition ziehen, damit man gerade und größer auf seinen Beinen steht und die Belastung des lumbosakralen Bereichs, der Bandscheiben, der Facetten und der Nervenwurzeln minimiert wird.
Gemeinsam normalisieren die beiden Schichten die Bewegung und auf diese Weise auch die Funktion des Iliosakralgelenks. Die elastische Schicht ist nicht dazu gedacht, bestimmte Muskeln zu stärken. Die allgemeine Muskelkraft und -funktion kann jedoch mittels des Serola Iliosakralgürtels im gesamten Körper wieder normalisiert werden.
Es sollte erwähnt werden, dass die elastische Schicht nicht dazu ausreicht, die gesamte Flüssigkeit aus dem Gelenkzwischenraum zu entfernen und die Heilung des Iliosakralgelenks zu bewirken. Dazu wurde die Kategorie 2 Beckenblockierung entwickelt (siehe dazu ).
Reference
- Solomonow M: Ligaments: a source of work-related musculoskeletal disorders. J Electromyogr Kinesiol 2004, 14:49-60.
- Freeman MA, Wyke B: Articular reflexes at the ankle joint: an electromyographic study of normal and abnormal influences of ankle-joint mechanoreceptors upon reflex activity in the leg muscles. The British journal of surgery 1967, 54:990-1001.
- Mens JM, Damen L, Snijders CJ, Stam HJ: The mechanical effect of a pelvic belt in patients with pregnancy-related pelvic pain. Clinical biomechanics (Bristol, Avon) 2006, 21:122-127.
- Vleeming A: Towards An Integrated Therapy For Peripartum Pelvic Instability-A study Of The Biomechanical Effects Of Pelvic Belts. In Proceedings of the 1st Interdisciplinary World Congress on Low Back Pain and its Relation to the Sacroiliac Joint. 1992
- Snijders CJ: Transfer of Lumbosacral Load to Iliac Bones and Legs: Part 1 - Biomechanics of Self-Bracing of the Sacroiliac Joints and its Significance for Treatment and Exercise. Clinical Biomechanics 1993a, 8:285-294.
- Richardson C, Jull G, Hodges P, Hides J: Therapeutic Exercise for Spinal Segmental Stabilization in Low Back Pain. Churchill Livingstone; 1999.
- Damen L, Spoor CW, Snijders CJ, Stam HJ: Does a pelvic belt influence sacroiliac joint laxity? Clinical biomechanics (Bristol, Avon) 2002, 17:495-498.











